Wegen Asypolitik: Frau begeht Selbstmord

Presseerklärung vom Sächsischen Flüchtlingsrat e.V. 25.08.2009

Restriktive Unterbringungspolitik tötet Mutter von drei Kindern -
Deeskalierendes, humanitäres Verhalten der Behörde hätte Drama
verhindert

Gestern Mittag verstarb im Krankenhaus Mittweida Frau A.T., Mutter
von drei Kindern im Alter von 10, 7 und 3 Jahren an einer Überdosis
von Medikamenten. Vor den Augen von zwei Mitarbeitern der Ausländer-
behörde nahm sie die Tabletten ein, um einen Umzug der Familie in das
Asylbewerberheim Mobendorf zu verhindern. Die Mitarbeiter der Behörde
unterließen jegliche Hilfeleistungen.

Hintergrund:
Das Asylbewerberheim Frankenau sollte zum Monatsende geschlossen
werden. Ein Teil der Bewohner fand bereits am 19.08.2009 ihre
Unterkunft im Asylbewerberheim Döbeln. Die weiteren Bewohner hatten
die Auflage zum gestrigen Tag, dem 24.08.2009 nach Mobendorf zu
ziehen.
Schon in der Vergangenheit hatte die Familie einen Antrag auf
dezentrale Unterbringung aus gesundheitlichen und humanitären Gründen
gestellt, welcher jedoch von der Behörde abgelehnt wurde. Im Vorfeld
der geplanten Schließung bat die Familie erneut um eine Unterbringung
in einer Wohnung, entsprechende ärztliche Atteste lagen vor und
bestätigten die Dringlichkeit, insbesondere im Hinblick auf die
medizinisch festgestellte Suizidalität von Frau A.T.
Am Tag des Umzugs bat A.T. noch einmal eindringlich die anwesenden
Mitarbeiter der Ausländerbehörde nicht nach Mobendorf ziehen zu
müssen, sondern bis zur Entscheidung ihres Antrages in das Asylbewerber
heim in Döbeln ziehen zu dürfen. Der Ehemann sprach von „Betteln“ und
berichtete, dass seine Frau auf die Knie gegangen sei und den
Mitarbeitern die Hände geküsst habe. Als dies kein Verständnis
hervorrief, habe sie sich mit beiden Händen das Gesicht blutig
gekratzt und vor den Augen der Behördenmitarbeiter sowie der
Heimleiterin eine nicht unerhebliche Zahl an Tabletten eingenommen.
Schließlich brach sie in Anwesenheit ihres 10 jährigen Sohnes
zusammen. Ein beruhigendes und deeskalierendes Einwirken der
Mitarbeiter der Behörde ist nach unserem Kenntnisstand nicht erfolgt.
Selbst als der Ehemann um Hilfe bat, nachdem er im Zimmer der Familie
eine große Anzahl von leeren Medikamentenschachteln vorfand, wurde
durch die Behördenmitarbeiter weder selbst erste Hilfe geleistet,
noch der Notarzt gerufen. Statt dessen wurde der Ehemann darauf
verwiesen seine Frau selbst ins Krankenhaus zu fahren. Er selbst
informierte zunächst den Krankenwagen, die Polizei sowie den
behandelnden Arzt, wobei kostbare Zeit verstrich, bevor er dann mit
seiner Frau im eigenen Auto nach Mittweida fuhr. Während seine Frau
mit dem Tode rang, wurde von ihm noch verlangt den Umzug fortzusetzen
und seine Dinge von Frankenau nach Mobendorf zu bringen. In dieser
Zeit verstarb Frau A.T. im Krankenhaus.

„Ein solches Drama wäre zu vermeiden gewesen“ sagt Ali Moradi vom
Sächsischen Flüchtlingsrat e.V. (SFR). Nach Ansicht des SFR hätte der
Familie im Zuge der Wohnheimschließung längst eine Unterbringung in
einer Wohnung ermöglicht werden sollen, die entsprechenden
Voraussetzungen lagen vor. Der geforderte zwischenzeitliche Umzug in
ein anderes
Asylbewerberheim war überflüssig. Der Suizid der Frau als Folge
dessen ist ein weiteres Beispiel für die restriktive Unterbringungs-
politik in Sachsen.

gez. Sibylle Wunderlich
SFR-Vorsitzende